Stuttgart - Im Rotlichtviertel sollen Lichter ausgehen

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So 28. Mai 2017, 21:27

Die Stadtverwaltung will in der Stuttgarter Altstadt Bordelle schließen und nur noch wenige Etablissements zulassen. Außerdem soll sich die Prostitution nur noch im eigentlichen Rotlichtviertel abspielen.

S-Mitte - In einigen Bordellen in der Stuttgarter Altstadt könnte bald das (rote) Licht ausgehen. Der Ausschuss für Umwelt und Technik sowie der Bezirksbeirat Mitte haben jetzt den Startschuss dafür gegeben, in der Leonhardsvorstadt und im Rotlichtviertel Bordelle zu schließen. Außerdem soll sich die Prostitution in der Altstadt nur noch im eigentlichen Rotlichtviertel, also dem Leonhardsviertel mit Leonhard- und Weberstraße, abspielen.

Derzeit ist die Rede davon, dass von etwa 14 Bordellen im gesamten Quartier nur fünf geöffnet bleiben sollen. „Ob das tatsächlich so kommt, steht nicht fest. Letztendlich entscheidet der Gemeinderat“, sagt Kirsten Rickes, die Leiterin des städtischen Baurechtsamts.

Der Plan, Sexbetriebe zu schließen, liegt seit langem in der Schublade

Der Plan, Bordelle zu schließen, liegt seit gut zwei Jahren in der Schublade der Bauverwaltung. Der damalige Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) hatte seinerzeit das Aus für die Hälfte aller Laufhäuser versprochen. Einschränken will man den Sexbetrieb in der Altstadt, um das Viertel besser unter Kontrolle zu bekommen. Außerdem hat die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt, wie schwierig es ist, illegale Bordelle trotz eindeutiger Gerichtsurteile dicht zu machen. In fünf Häusern soll der Sexbetrieb aber zulässig bleiben, „weil man Orte für das, was man nicht haben will, ausweisen muss“, sagt Veronika Kienzle (Grüne), Bezirksvorsteherin-Mitte.

Offen bleiben sollen nach heutigem Stand in der Leonhardstraße Uhu, Messalina, Girls, Girls, Girls und das Madeleine; in der Weberstraße das Edelweiß. Für Irritationen im Milieu sorgt, dass mit dem Girls, Girls, Girls, und dem Madeleine Etablissements dabei sind, deren Antrag auf Baugenehmigung zur Einrichtung eines Bordells vom Verwaltungsgericht Stuttgart abgelehnt worden war und die außerdem erst nach 1985 ihren Betrieb als Laufhäuser aufgenommen haben. In den anderen drei Etablissements waren bereits vor 1985 Bordelle eingerichtet. Die Betreiber gehen davon aus, dass ihre Häuser legal sind und Bestandschutz genießen, weil es dort bereits vor in Kraft treten der Vergnügungsstättensatzung 1985 käuflichen Sex gab.

Laut Baurechtsamt gibt es keinen Bestandsschutz

Bestandsschutz? Kirsten Rickes schüttelt den Kopf. „Den hat kein einziges Bordell im gesamten Quartier, weil kein einziger Betrieb genehmigt worden ist“, stellt sie fest. Dass auch das Madeleine und das Girls, Girls, Girls trotz Gerichtsurteil nicht auf der schwarzen Liste der Stadtverwaltung stehen, erklärt Rickes damit, dass bei einer Berufung vor dem Verwaltungsgerichtshof, zu der es zwangsläufig gekommen wäre, noch weiter verhandelt worden wäre und eine Nutzungsuntersagung beim Regierungspräsidium keinen Erfolg haben würde. Rickes: „Der Bordellbetrieb in den beiden Objekten war aber Auslöser dafür, dass der Gemeinderat eine Veränderungssperre in dem Viertel beschlossen hat.“ Veränderungssperre bedeutet: Bis der neue Bebauungsplan in Kraft tritt, werden keine Genehmigungen für problematische Vorhaben erteilt. Jetzt im Bezirksbeirat einstimmig durchgewunken wurde nur der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan. Ob die gestatteten Bordelle nur geduldet oder legalisiert werden, ist laut Rickes noch unklar.

Bezirksvorsteherin Kienzle hält fünf Bordelle immer noch für zu viele. „Für einen so kleinen Bereich wie Leonhards- und Weberstraße wären zwei Laufhäuser ausreichend“, sagt sie. Wie „sittlich die Geschäfte“ seien, die in dem Quartier betrieben werden, sei ihr egal. „Aber die Wirkung nach außen interessiert mich, und der tun die Betriebe nicht gut.“ Ihr Fazit: „Für die Leonhardsvorstadt freut es mich, dass die Bordelle schließen müssen. Für das Leonhardsviertel tut es mir leid, dass da immer noch so viele sein werden.“

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhal ... 57c53.html
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